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Nur 6 Tage  zwischen Neujahr und Ostersonntag

Sie glauben ich habe einen fehlerhaften Kalender erworben oder gar zu tief ins Glas geschaut? Ich verspreche, keines von Beiden ist der Fall.

Im April 2014 war es so in Sri Lanka. Das singhalesische Neujahrsfest ist nach dem Buddhistischen Kalender am 14. April 2014. Die Vorbereitungen für das Fest erinnern an unsere Adventszeit. Tage vorher überbieten sich die Läden mit Schnäppchen für Kleidungsstücke. Marktstände werden in den Straßen aufgebaut und alles was Füße hat,  bewegt sich durch die Straßen. Das Ziel ist, für jedes Familienmitglied ein neues Kleidungsstück zu erwerben. Auch die Neujahrsplätzchen aus Reismehl in Kokosfett ausgebacken dürfen nicht fehlen.

Der Ablauf für das Neujahrsfest ist genau vorgeschrieben:

Das Haus und vor allem die Feuerstelle muss komplett geputzt sein, es sollte kein alter Staub oder Dreck übrig bleiben. Es werden auch neue Tonkochtöpfe angeschafft, um das neue Jahr "neu" Zu beginnen.

Im Wohnzimmer wird eine Feuerstelle vorbereitet, in dem ein Tongefäß mit Kokosmilch zum Überlaufen gebracht werden muss. Wichtig ist die Richtung, in die die Milch fließen muss. Sie entscheidet über Glück oder Unglück im neuen Jahr. Um 11:17 Uhr war es soweit, im Fernsehen wurde der Start für das Anzünden des Feuers bekannt gegeben und zu den Gesängen der Mönche aus den umliegenden Tempeln qualmte und rauchte es aus jedem Haus. In Ajiths Familie ist alles gut gegangen, die Milch floss in die richtige Richtung und die Freude darüber war groß. Dann erst ging es ans Kochen. Es wird traditionell Milchreis (nicht mit unserem Milchreis vergleichbar) gekocht , dazu gibt es Kokosraspeln mit Chili und gedämpfte Zwiebeln. Natürlich dürfen auch die Bananen nicht fehlen. Der Vater nimmt ein Stück Milchreis und lässt jedes Familienmitglied davon abbeißen.  Symbolisch steht es dafür, dass  das Familienoberhaupt die Familie im neuen Jahr ausreichend mit Essen versorgen wird. Auch hier wird die genaue Uhrzeit im Fernsehen mitgeteilt.

Danach ziehen alle die neuen Kleidungsstücke an.  In ein Betelblatt wird ein kleiner Geldschein eingewickelt und jedem Familienmitglied überreicht. Zum Dank beugt sich jeder vor die Füße des Gebers. Eine Geste, die für uns sehr ungewohnt ist. Zwei Schulkinder konnten sich über  je 100,00 € freuen, die von Frauen aus Geroda gespendet wurden. Mit dem Geld werden vier Monate lang die Kosten für Schulmaterial und Unterricht gedeckt. Stellvertretend bedankten sich die Kinder und Eltern bei mir und meinem Mann. Den Dank gebe ich gerne weiter.

Nachdem alle Rituale und Uhrzeiten eingehalten wurden,  begannen sich die Familien gegenseitig zu besuchen. Es  wurde gekocht, gegessen, gespielt und Geld getauscht. Ein Spiel, an dem sich vor allem die Kinder freuten. Da dachte ich an die Zeit zurück, als wir mit kleinem Geldbeutel am Neujahrstag durchs  Dorf zogen und jedem "Prost Neujahr" wünschten, in der Hoffnung 10 Pfennig zu bekommen. Da gibt es keinen kulturellen Unterschied.

Es erstaunt uns, wie groß Familien und Verwandtschaften in Sri Lanka sind. Viele Kinder, Onkel und Tanten kommen und gehen und alles läuft so unkompliziert ab. Wer hungrig ist, geht in die Küche und schöpft sich aus den Tontöpfen Reis und Curry, wäscht den Teller ab und geht wieder in den Vorgarten. 3 Tage wird besucht und wer nicht gerade in der Tourismusbranche arbeitet, hat frei und genießt die Tage, bei gemeinsamen Spielen mit Nachbarn und Verwandten.

Wer Osterhasen oder gefärbte Ostereier sucht, wird enttäuscht. Diese Geschichten und Symbole kennen die Menschen dort nicht.

Petra Wanke